1. PIR und PUR: Gemeinsamkeiten

PIR (Polyisocyanurat) und PUR-Hartschaum (Polyurethan) sind geschlossenzellige Hartschäume, die durch die Reaktion eines Polyols mit einem Isocyanat (in der Regel polymeres MDI) entstehen. Beide sind der vorherrschende Dämmkern in Sandwichelementen mit Metalldeckschichten für Kühlhäuser, Gebäudehüllen und Dächer. Beide erreichen eine niedrige Wärmeleitfähigkeit, weil in den geschlossenen Zellen ein Treibmittelgas mit geringer Wärmeleitfähigkeit eingeschlossen bleibt.

Die Unterschiede ergeben sich daraus, wie die Chemie ausbalanciert ist, und diese kleinen Unterschiede führen auf Paneelebene zu deutlich verschiedenem Brandverhalten und Wärmedämmverhalten.

2. Chemie: der Unterschied beim Isocyanatindex

Beide Systeme basieren auf Polyol und Isocyanat. Die entscheidende Größe ist der Isocyanatindex, das Verhältnis von Isocyanatgruppen zu Hydroxylgruppen in der Formulierung:

Isocyanuratringe sind aromatisch und thermisch hoch stabil. Diese eine Änderung in der Chemie verleiht PIR sein überlegenes Brandverhalten.

3. Wärmedämmung

Die branchenüblichen Bereiche der Wärmeleitfähigkeit (Lambdawerte, λ) sind unten als allgemeine Richtwerte angegeben; die tatsächliche Leistung hängt von der konkreten Formulierung, dem Treibmittel, der Rohdichte und der Paneeldicke ab:

In der Praxis überlappen sich PIR und leistungsfähiger PUR-Hartschaum bei der anfänglichen Wärmeleitfähigkeit weitgehend. Der Vorteil von PIR zeigt sich bei der Langzeitleistung nach Alterung und bei erhöhten Betriebstemperaturen: Dank seiner höheren thermischen Stabilität widersteht es der Gasdiffusion und der Schädigung der Zellwände, die den Lambdawert von PUR über die Nutzungsdauer allmählich ansteigen lassen.

4. Brandverhalten

Beim Brandverhalten gehen PIR und PUR am deutlichsten auseinander. Die aromatischen Isocyanuratringe im PIR sorgen für eine höhere thermische Stabilität und für eine feuerbeständige Verkohlungsschicht, die PUR nicht im gleichen Maß ausbildet.

Vergleichsergebnisse, die in Materials (MDPI, 2026) berichtet werden, zeigen für PIR-Schäume:

Nach der europäischen Brandklassifizierung (EN 13501-1) können gut formulierte PIR-Paneelsysteme die Klassen B-s2,d0 oder sogar B-s1,d0 erreichen, während viele Standard-PUR-Systeme bei E oder D-s3,d0 liegen. Verlangen Bauvorschriften oder Versicherer eine höhere Brandklasse (Hochhäuser, Kühlhäuser in Industriegebieten, Lebensmittelverarbeitungsbetriebe), ist PIR oft die einzige Variante der PU-Familie, die dafür infrage kommt.

Wichtiger Hinweis: Sowohl PIR-Schäume als auch PUR-Schäume setzen bei der Verbrennung giftige Gase frei (darunter Cyanwasserstoff und CO). Eine bessere Brandklasse betrifft die Entzündungsbeständigkeit und die Flammenausbreitung; die Toxizität der Verbrennungsprodukte beseitigt sie nicht. Der bauliche Brandschutz muss neben der Materialwahl auch Belüftung, Fluchtwege und aktive Löschtechnik berücksichtigen.

5. Unterschiede in der Verarbeitung

Aus Sicht der Paneellinie ist PIR anspruchsvoller zu verarbeiten als PUR:

6. Gegenüberstellung

EigenschaftPUR-HartschaumPIR
Isocyanatindexca. 100 bis 120 (stöchiometrisch)ca. 180 bis 350+ (Überschuss)
PolymerchemieUrethannetzwerkUrethan und Isocyanuratringe
Wärmeleitfähigkeit (typischer λ-Wert)ca. 0,022 bis 0,028 W/(m·K)ca. 0,022 bis 0,027 W/(m·K)
Wärmedämmleistung nach LangzeitalterungGutBesser
Brandklasse (typisch, EN 13501-1)E bis D-s3,d0B-s2,d0 bis B-s1,d0 (gut formuliert)
Bildung einer VerkohlungsschichtBegrenztAusgeprägte, schützende Verkohlungsschicht
SprödigkeitFlexiblerSpröder
VerarbeitungsaufwandStandardHöher (schnellere Reaktion)
KostenNiedrigerHöher (mehr Isocyanat, mehr Additive)

7. Wann welcher Schaum infrage kommt

PUR-Hartschaum vorsehen bei:

PIR vorsehen bei:

In der Praxis bieten die meisten Paneelhersteller beides an. Die Wahl ist eine projektspezifische Abwägung zwischen Brandklassenanforderung, Wärmedämmziel, Kosten und der vorgesehenen Einsatzumgebung des Paneels.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen technischen Information. Die Auswahl eines Polyurethan-Systems hängt von Formulierung, Anlagentechnik, Untergrund, Umgebungsbedingungen und Produktionsanforderungen ab. Die Einhaltung einer bestimmten Brandklasse muss stets zusammen mit dem Lieferanten des Paneelsystems anhand der einschlägigen Vorschrift (EN 13501-1, NFPA, lokale Entsprechungen) bestätigt werden. Für genaue Empfehlungen fordern Sie das jeweilige Technische Datenblatt (TDB) und Sicherheitsdatenblatt (SDB) an oder wenden Sie sich an die Anwendungstechnik von JiTPOL.